Die Pfarrkirche St. Jakobus
Text von Gerhard Dettenhöfer
Bilder von Thomas Looshorn und Manfred Schaller
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Innenansicht der Pfarrkirche
erstellt von Christian Dotzler und Matthias Schmidt
Baugeschichte:
Die
Pfarrkirche erhebt sich hoch inmitten der Ortschaft. Der gepflasterte
Weg zur Kirchentüre führt den Besucher zunächst durch einen Torbogen,
auf dem der Hl. Nepomuk, ursprünglich ja ein böhmischer
Brückenheiliger, seinen Platz gefunden hat. Die Figur trägt unterhalb
des Sockels eine Inschrift, welche die Jahreszahl der Aufstellung mit
1739 angibt.
Der Friedhof, dessen Erweiterung derzeit geplant wird,
und das äußere Erscheinungsbild des Gotteshauses machen einen sehr
sauberen und gepflegten Eindruck.
Dieses gepflegte Erscheinungsbild
der Pfarrkirche war jedoch nicht immer so. Wie aus den folgenden Zeilen
ersichtlich wird, waren die Wirren und Verhältnisse der Geschichte,
sowie auch das Engagement der Bevölkerung und des jeweiligen Pfarrherrn
ausschlaggebend für den Zustand des Gotteshauses.
Über die
Entstehung der Kirche sind keine Urkunden bzw. Quellen zu finden.
Frühere Chronisten wissen aber zu berichten, das "vor der Burg ein
romanisches Kirchlein stand, wovon jedoch keine Überreste mehr
vorhanden sind".
An derselben Stelle entsteht aus der romanischen
Burgkapelle zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert ein gotisches
Kirchlein, wofür man während der Renovierungsarbeiten im Jahre 1903
Beweise fand, als man beim Durchbrechen der Chorfenster auf typisches,
gotisches Mauerwerk stieß. Die Ausgrabungen und Untersuchungen der
alten Schlossanlage, auf dem neuen Friedhofsareal, sind weitere Beweise
für das, was bisher aus den Erzählungen der Chronisten überliefert
wurde. Um das Jahr 156o wurde die Kirche vergrößert und mit einem Turm
versehen. Wie die Kirche in dieser Zeit ausgesehen hat, liefert uns die
Baubeschreibung des Auerbacher Maurermeisters Michael Dorner, der die
Kirche 181o, also vor ihrer Erweiterung auf die heutige Größe,
besichtigte:
"Die Pfarrkirche zu Thurndorf ist mit Einschluss des
Presbyteriums 76 Schuh lang und zur Breite 29 1/2 Schuh. Die Kirche ist
gotisch gewölbt so auch die Sakristei. Der Turm ist an die Kirche
gesondert angemauert und mit Schiefer gedeckt".
Unter
Pfarrer Weich wird die gotische Kirche, die auf Seite 1 beschrieben
wurde, vergrößert. Der Hauptgrund dürfte allerdings nicht nur der
Platzmangel, sondern der von vielen Seiten kritisierte, schlechter
Zustand der Kirche sein. So schrieb der Gutachter der Kammer des Innern
am 24. l0. 1810 über den Zustand der Pfarrkirche an das Landgericht
Eschenbach:
"Die
Pfarrkirche und der Turmbau zu Thurndorf befinden sich in einem
baufälligen Zustand, dass zur Verhinderung des Einsturzes mithin zur
Beseitigung größeren Schadens ohne Aufschub eine Hauptreparatur
vorgenommen werden muss. Nach der weitern ermitterlichten Anlage ist
dieses Gotteshaus mittellos und kann zu seiner Wiederherstellung aus
eigenem Vermögen nichts entbehren."
Dieser Sachverhalt, dass auch
damals das leidige Geld fehlte, war der Hauptgrund, dass sich die
Vergrößerungs- und Renovierungsarbeiten über sechs Jahre hinzog. Im
Jahre 1816 konnte dann Pfarrer Weich die Abschlussrechnung seiner
Pfarrgemeinde präsentieren, die eine Gesamtbausumme von 2186 fl
(Gulden) 9 Kr (Kreuzer) ausweist.
Die Grabplatte im Chorbogen,
wurde zu Ehren des damaligen Pfarrers Weich gesetzt, der im
unermüdlichen Einsatz für seine Pfarrkirche tätig war, selbst Geld für
den Ausbau gab und auch seine Arbeitskraft zur Verfügung stellte.
Im
Jahre 1902 wurde auf Anregung von Pfarrer Barnickel im
Kirchenverwaltungsrat beschlossen, das Gotteshaus neu restaurieren zu
lassen. Da aber in der Kirchenkasse kein Geld war und das
Metropolitankapitel einen Finanzierungsplan haben wollte, einigte sich
die Thurndorfer Kirchenverwaltung von
der Raiffeisenkasse ein
Darlehen in Höhe von 4ooo Mark aufzunehmen und dieses im
Finanzierungsplan als wohltätiges Geschenk eines Spenders auszuweisen.
Als die Königliche Regierung der Oberpfalz hinter diesen Schwindel
kam, schickten sie an Pfarrer Barnickel ein rügendes Schreiben: "Die
Kirchenverwaltung
Thurndorf hat während der Verhandlungen über die
Kirchenrestauration wiederholt die tatsächlich unzutreffende Angabe in
ihre Beschlüsse aufgenommen, dass von den Restaurationskosten der
größere Betrag durch ein von einem Wohltäter verabreichtes Geschenk von
4ooo Mark gedeckt sei. In Wirklichkeit war die
Kirchenverwaltung nie
im Besitz eines solchen Geschenks, sondern sie beschaffte sich die
erforderlichen Mittel in der Hauptsache ohne Kuratelgenehmigung durch
Aufnahme eines Anleihens von 42oo Mark beim Darlehenskassenverein. Ein
derartiges Verfahren muss als höchst bedenklich und ungehörig
bezeichnet werden. Dem Vorstande der Kirchenverwaltung ist hiermit in
Übereinstimmung mit dem erzbischöflichen Metropolitankapitel eine
ernste Missbilligung auszusprechen.“
Als
dieses Schreiben jedoch bei Pfarrer Barnickel eintraf, waren die
Renovierungsarbeiten längst abgeschlossen. Pfarrer Barnickel, der mit
seinen vorgesetzten Dienststellen laufend Querelen hatte und für seine
bissigen Bemerkungen über den bürokratischen Verwaltungsapparat bekannt
war, vermerkte auf diesem Schreiben folgendes: "ESEL!" Womit hätte ich
die vielen Tausende bezahlen sollen, wenn ich keine Mittel gehabt
hätte. Kein Pfennig ist bei den Arbeitsleuten ausständig. Das
Raiffeisenkapitel zahlt sich spielend ab. "HALT" ich hatte sogar mehr,
aber Euch bindet man’s nicht auf die Nase! Dazu braucht man keine so
teuer bezahlten Oberbonzen, Freimaurer und dergl. Selbstverständlich
hätte ich die Kirche erst einfallen lassen sollen, bis alles seinen
amtlichen Schneckenweg gegangen ist."
Ob
sich Pfarrer Barnickel in seinem Rechtfertigungsschreiben an die
königlichen. Regierung der Oberpfalz ebenso derb ausdrückte, ist nicht
bekannt.
Da
Pfarrer Barnickel, um die Renovierung schnell über die Bühne zu ziehen,
keine Sachverständigen zu Rate zog, ließ er die Kirche nach seinem
Geschmack renovieren. Somit ist es nicht verwunderlich, dass manche
seiner Maßnahmen heute auf reiche Kritik stoßen, da diese den
ursprünglichen Charakter der Kirche negativ beeinflusste. Ich will an
dieser Stelle diese Maßnahmen von Pfarrer Barnickel nur ganz kurz
aufzeigen:
- Verengung des zu weit gespannten Chorbogens (baufällig)
- Einsetzen von neuen, farbigen Fenstern
- Veränderung der Altäre, durch neue Figuren: Hl. Jakobus, Tragmadonna
aus Gips, Herz-Jesu- Statue, Hl. Aloysius (diese wertlose Gipsfigur
wurde gegen Engelsfiguren aus Holz eingetauscht).
Mittlerweile stehen diese Maßnahmen bereits wieder unter Denkmalschutz.
Selbstverständlich
hatte diese Renovierung zu Beginn des lezten Jahrhunderts seine
Berechtigung, es wurden ja auch die wertvollen Sachen der Kirche einer
Überholung unterzogen.
Das
Gotteshaus wurde dann in den Jahren 1950-1953 und 1970-1973 einer
weiteren Renovierung unterzogen, wobei 1970/73 mehr das "technische im
Vordergrund stand". So wurden Elektroheizung, Lautsprecheranlage,
Liederanzeigetafel und eine neue Orgel installiert, sowie ein
Volksaltar aus dem alten Speisgitter geschaffen. Die letzte umfassende
Innen- und Außenrenovierung lief ab 1990.
Den
Blickfang in der Kirche stellt wohl der mächtige Barockaltar dar, der
aus dem Jahr 1750 stammen dürfte. In der Mitte steht der Schutzheilige
des Gotteshauses. Der Hl. Jakobus. Diese Figur wurde, wie bereits
erwähnt erst 1903 angeschafft. Vorher hing in dieser Nische ein
wertvolles Ölgemälde desselben Heiligen, das den Apostel auf einen
Schimmel reitend darstellt. Dieses Bild ist heute an der südlichen
Kirchenwand zu bewundern.
Die
anderen Heiligenfiguren stammen alle aus der Zeit der Entstehung des
Altars. Einer gleichen Veränderung wurde der heutige Herz-Jesu-Altar
unterworfen. Die Statue wurde ebenfalls erst 1903 aufgestellt. Vorher
hing im Altar ein Ölgemälde über die Abendmahlsfeier des Herrn. Dieses
Kunstwerk ist auf der Empore zu finden. Genauso erging es dem
Marienaltar, der früher auch der "Kreuzigungsaltar" genannt wurde, weil
in ihm ein Kreuzigungsgemälde hing, welches heute im Altarraum seinen
Platz hat. Die Muttergottesfigur, die heute in der Nische steht, war
vor 1903 in einem Glaskasten an der nördlichen Kirchenmauer ausgestellt.
Erwähnen
möchte ich noch die Vielzahl der sehenswerten Figuren, weiteren Gemälde
usw., die das Kircheninnere zieren. Doch hier vermag das sehende Auge
mehr auszurichten, als eine noch so interessante Beschreibung.
Die Theophilusglocke
Die
Pfarrkirche zu Thurndorf hätte noch viele "Schmankerln", die es wert zu
beschreiben wären. Aus dieser Vielzahl ragt jedoch ein besonderes
hervor, das wir im Turm der Kirche finden. Der beschwerliche Aufstieg
in luftige Höhen belohnt aber den Besucher. Denn im Turm hängt eine
Rarität, die sog. Theophilusglocke, die eine kostbare Arbeit uralter
Handwerkskunst darstellt. Diese Glocke, sie nimmt sich neben den
anderen drei großen Glocken als Zwerg aus, hat lediglich einen
Durchmesser von 36 cm und eine Höhe von 4o cm. Ihr Name lässt jedoch
nicht den Schluss zu, dass sie dem Heiligen dieses Namens geweiht wäre,
sondern weil sie zu den raren Glocken Deutschlands gehört, die so
gegossen wurden, wie sie im Jahre 1123 der Benediktinermönch Theophilus
beschrieb.Wenn wir vor diesem ehrwürdigen Stück Kulturgeschichte
stehen, fällt der Blick auf romanische Großbuchstaben (Majuskeln);
WOLFGERUS ME FECIT, was übersetzt heißt „Wolfger hat mich gemacht“. Ich
würde die Form der Glocke mit einem gut proportionierten Bienenkorb
vergleichen. Leider sind auf der Glocke keine Angaben über das Jahr
ihrer Geburt. Sachverständige schätzen, dass die Glocke etwa 950 Jahre
alt sein dürfte, was am Namen "Wolfger" = Speer und an den primitiven
romanischen Randverzierungen abzuleiten sei. Heute finden wir nur noch
zwei weitere Glocken dieses Typs, die eine ist in Theisen (Sachsen),
die andere in Ascharn (Thüringen) zu finden. Allerdings übertrifft die
Thurndorfer Theophilusglocke die anderen beiden an den schöneren
Proportionen und an der Sorgfalt der Inschrift. Wenn ein
Pfarrangehöriger verstirbt, wird die Theophilusglocke heute noch
geläutet.
Neben der Theophilusglocke hängen im Turm noch drei
weitere Glocken. Die größte davon hat einen Durchmesser von 110 cm und
ist mit Reliefbildern der St. Katharina und des St. Jakobus geschmückt.
Sie trägt die Umschrift:"
Haec campana fusa et consecrata est in
honorem B. M. V. Assumptae S. Jacobi Maioris Apostoli et S. Catarina
Martiris. Me fudit Ambergae Magnus Gabriel Beinburg 1726".
Die mittlere Glocke mit einem Durchmesser von 79 cm trägt die Inschrift:
"1772 goß mich Slivius Kleeblatt in Amberg".
Die kleine Glocke hat einen Durchmesser von 66 cm. Die Umschrift auf dieser
Glocke lautet:
"Zu Gottes Lob und Dienst geriet ich. Thoma Pauer zu Amberg goß mich Anno 16oo".
Das Patrozinium
So
könnte ich noch eine Menge über die Pfarrkirche schreiben, was jedoch
den Rahmen dieser Schrift sprengen würde. Verzichten will ich jedoch
nicht auf die Richtigstellung eines bisher weitverbreiteten Irrtums.
Bekannt sein dürfte, dass das Patrozinium der Pfarrkirche, d. h. die
Schutzherrschaft eines Heiligen über die Kirche, dem Heiligen Apostel
Jakobus gewidmet ist. Dies war jedoch nicht immer so. Ursprünglich war
das Patrozinium der Pfarrkirche St. Maria, was aus der
Ernennungsurkunde von Pfarrer Johann Holl am 15.3. 1527 klar
hervorgeht. Lange Zeit vermutete man, dass der Wechsel zum heutigen
Patrozinium auf das Jahr der Erweiterung der Kirche, also 1813
zurückgeht. Meinen Nachforschungen zufolge ist dies auf jeden Fall
falsch. Bereits die älteste Kirchenrechnung, die ich finden konnte, sie
stammt aus dem Jahre 1643, gibt das Patrozinium mit dem Hl. Jakobus an.
Meiner Meinung nach erfolgte der Wechsel von St. Maria zum Hl. Jakobus
bereits 1560, als man die alte gotische Kapelle erweiterte. Gestützt
wird meine Ansicht darin, dass damals Thurndorf zum lutherahnischen
Glauben gewechselt war, der ja eine verstärkte Marienverehrung ablehnte
und man zu dieser Zeit auch das Patrozinium wechselte.
Das Fest des heutigen Schutzherrn der Kirche, im Volksmund unsere "Kirwa", feiern die Thurndorfer am 25. Juli.
Die Kalvarienbergkapelle

Der
Kalvarienberg, an dessen Fuße Thurndorf ruht, ist in jeder Beziehung
ein bedeutender Punkt. Diese Erhebung ist in geologischer,
hydrografischer und ethnologischer Hinsicht interessant. So wird der
Kalvarienberg bei der Herstellung von Generalstabskarten als
trigonometrischer Anhaltspunkt benützt, weshalb bereits 1838 auf
Staatskosten ein Türmchen auf die Kalvarienbergkapelle aufgesetzt
wurde. Auf dem Kalvarienberg genießt man nach allen Seiten, besonders
bei klarem Wetter eine herrliche Aussicht, die von den schwarzen
Basaltkuppen des Rauhen Kulms, bis zu den Gipfeln des greifbar nahe
scheinenden Fichtelgebirges und des Steinwaldes im Osten reicht. Im
Süden können wir den Mariahilfberg bei Amberg, den Annaberg bei
Sulzbach und sogar die Berge Veldenstein und Hartenstein seilen. Gegen
Westen gewandt liegt vor uns die große Reihe der Juraberge von
Hersbruck bis Pegnitz. Im Norden sehen wir die Orte Creußen und
Bayreuth, bei guter Sicht auch die alte Markgrafenstadt Kulmbach mit
der Veste Plassenburg.
Die
Grundsteinlegung der Kalvarienbergkapelle dürfte im Jahre 1752
stattgefunden haben, wobei diese Kapelle eine auf dem Berg errichtete
Kreuzigungsgruppe ablöste. Die Jahreszahl der Erbauung, sowie das Jahr
der Erweiterung 1792 unter Pfarrer J. B. Weich, sind in den Sandstein
des Baues über dem Portal eingemeißelt.
Die
Erweiterung dürfte wegen dem regen Zulauf zu den jährlich zweimal
gehaltenen Gottesdiensten, am "Schmerzhaften Freitag" und am
"Portijuncularsonntag" nötig gewesen sein, da der Papst für diese
Gottesdienste einen Ablass genehmigt hatte. Dieser Ablass für die
Gottesdienste der Kalvarienbergkapelle lässt sich erstmals für das Jahr
1762 urkundlich nachweisen. Das Ablassschreiben ist ausgestellt von
Papst Clemens XII. am 25. März des Jahres 1762 und zwar für den Tag der
Jungfrau Maria. Somit dürften die Aussagen der Einheimischen belegt
sein, die erzählen, dass die Kalvarienbergkapelle früher ein gut
besuchter Wallfahrtsort war. Es lassen sich auch bis in die 50er Jahre
Gottesdienste nachweisen, die jedoch in dem Maße abnahmen, wie der
Bauzustand der Kapelle zusehends schlechter wurde.
Erst
nach 15o Jahren konnte man sich für eine erste Reparatur entscheiden.
So wurde im Jahr 1919, nachdem ein Sturm das alte Schindeldach
abgedeckt hatte, der Dachstuhl mit verzinktem Blech bedeckt. Eine
weitere, diesmal jedoch umfassendere Renovierung, wurde 1958
abgeschlossen.
1969
wurde die Kapelle ausgeraubt, das wertvolle Kreuzigungsgemälde wurde
aus dem Rahmen geschnitten, ebenso wurden die geschnitzten Wangen der
Kirchenbänke kurzerhand abgesägt. Fast für ein Jahrzehnt verfiel das
Gebäude zusehends. Nach einer grundlegenden Innen- und Außenrenovierung
in den 80er Jahren erfreut sich das kleine Gotteshaus wieder großer
Beliebtheit. In den Sommermonaten finden regelmäßige Gottesdienste
statt.
Die Kirche Hl. Blut - die Heinersreuther Waldkapelle

Auf
dem Weg zwischen Thurndorf und Heinersreuth liegt mitten im Wald des
Kitschenrains eine kleine Kirche, welche der Mutter Gottes geweiht ist.
Im Volksmund wird sie auch Heinersreuther Waldkapelle genannt.
Beschützt von uralten, riesigen Linden, an denen noch die Totenbretter
vieler Verstorbener hängen, finden wir friedlich und idyllisch diese
Kirche, deren ruhige Lage dem
Besucher zu Gebet und Meditation einlädt, wofür wir in unserem hektischen Alltag kaum Zeit mehr finden.
Über
die Entstehung der Kirche existiert eine Legende, die sich in der
Urkunde des Grundsteinlegers, Pfarrer Ackermann, niedergeschrieben
findet. So soll eine Kopie des Bildes von Neukirchen zum hl. Blut, die
der Zimmermann Johann Wolffinger aus Dankbarkeit wegen der Heilung
seines Fußes im Kitschenrain aufhängte, der Grundstein für den Bau
einer zunächst kleinen Kapelle gewesen sein.
Dieses
Bild, das der Zimmermann im Wald an einem Baum geheftet hatte, finden
wir im Hochaltar der heutigen Kirche wieder. Es zeigt die Mutter
Gottes, der ein wildschauender Hussitenkrieger den Kopf spaltet. Vor
diesem Bild häuften sich dann die Opfergaben und Wallfahrten, dass man
sich entschloss diese kleine Kapelle auf die heutige Größe zu
erweitern. Dies geschah im Jahr 1739. Im Jahr 1978 wurden die
Renovierungsarbeiten, die über 4 Jahren liefen, abgeschlossen. Diese
umfassende Instandsetzung war nötig, da seit der Erbauung der Kirche
keinerlei Reparaturen durchgeführt worden waren.
Ein
Blick in die Kirche bestätigt die Aussagen der Sachverständigen, dass
die renovierte Kirche wohl eine der schönsten Barockkirchen der
Oberpfalz sei. Die Altäre stammen alle aus der Zeit zwischen 171o und
175o. Interessant sind die unter dem alten Anstrich entdeckten sog.
Apostelkreuze und zahlreich vorhandenen Votivtafeln. Diese haben
jeweils jene Leute anfertigen lassen, deren Gebet erhört worden ist. In
einem Situationsbild ist das Gebrechen, oder Anliegen,
das erhört worden ist, festgehalten und mit dem Spruch " Maria hat geholfen " versehen.
Eine
besondere Anziehungskraft übt diese Kirche jeweils am ersten Sonntag im
Juli aus, denn an diesem Tag feiern die Heinersreuther ihr Patrozinium.
Das alljährliche Triduum, das jeweils von Freitag bis Sonntag dauert,
wird von vielen Gläubigen und Gästen besucht. Eine Brotzeit im dazu
eigens aufgestelltem Festzelt ist obligatorisch.
Sonstige Kapellen
Neben
der Pfarrkirche, der Kirche Hl. Blut und der Kalvarienbergkapelle,
finden wir in der Pfarrei noch eine Reihe weiterer Kapellen, die sich
mit Ausnahme der Mariahilfskapelle, in Privatbesitz befinden.
Die
Mariahilfskapelle wurde 1717 am südlichen Ortseingang errichtet und ist
seit ihrer Renovierung im Jahre 1972 ein kleines "Schatzkästlein".
Bemerkenswert ist der kleine, aus Holz geschnitzte Altar, dessen
Mittelpunkt ein Mariengemälde darstellt. Die gelungene Nachbildung des
sog. Passauer Gnadenbildes zeigt die Muttergottes mit "12 Sternen um
das Haupt, Rosen und Lilien auf demselben". Dieses Bildnis soll nach
der Überlieferung von der Thurndorfer Familie Buchfelder aus Wien
hergebracht worden sein. Als erwiesen gilt, dass das Bild vor 1814 in
der Pfarrkirche neben dem Marienaltar gehangen hat.
Am
südwestlichen Ortsausgang finden wir die in den 4oer Jahren dieses
Jahrhunderts erbaute, dem Herzen Jesu geweihte, " Forstwartskapelle ".
Sie wurde aus Dankbarkeit für den überstandenen I. und II. Weltkrieg
von der Familie Müllner erbaut.
Am entgegengesetzten Ende des
Dorfes steht die "Barbarakapelle", die sich im Besitz der Familie
Schatz befindet. Über dem Portal im Stein eingemeißelt ist die
Jahreszahl 1828. Der Grund der Erbauung ist nicht bekannt.
Nur
einen kleinen Fußmarsch entfernt, liegt im "Birkig" eine kleine
Kapelle, die aus Dankbarkeit für die glückliche Überwindung des II.
Weltkrieges gebaut wurde. Das Versprechen, jährlich am
Dreifaltigkeitssonntag eine Wallfahrt dorthin zu machen, ist jedoch
seit einiger Zeit eingeschlafen.
Die Vielzahl der Marterln und
Kreuze, die in unseren Fluren verteilt sind, würde den Rahmen dieses
Aufsatzes sprengen. Dem Wanderer, der bei seinen Spaziergängen diesen
religiösen Zeugen begegnet sind sie Zeichen einer tiefen Religiosität
aus alter Zeit.
Wie bereits eingangs erwähnt, vermögen diese
wenigen Zeilen nur einen geringen Bruchteil der vielfältigen Ereignisse
in der Kirchengeschichte Thurndorfs aufzuzeigen. Allerdings dürfte aus
diesem geschichtlichen Überblick eines ganz klar hervorgehen:
Segensreich und wirkungsvoll wurde dann gearbeitet, wenn die
Pfarrangehörigen hintereinander standen und Hand in Hand
arbeiteten.
Rückschläge gab es, wenn es den Gläubigen an Engagement für ihre
Pfarrgebäude und auch in ihrer Einstellung ihrem Nächsten gegenüber
fehlte.
Die letzten Jahre haben jedoch bewiesen, dass in der
Pfarrei Thurndorf ein gesunder Kern an Menschen vorhanden ist, die
uneigennützig am Wirken in der Pfarrei mitmachen. Nur so wird unsere
Pfarrei weiterhin Bestand haben und sich weiter entwickeln können. Nach
wie vor gilt ein Wort, das der große Pädagoge Pestalozzi einst
gesprochen hat: „Geschichte und Erfahrung lehren, dass die Kräfte der
Menschen und ganzer Geschlechter schwinden, wenn sie dahin gebracht
werden, zu glauben, es sorge jemand ohne ihr Zutun an Leib und Seele
für sie.“
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